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Apr10

Die (Schnaps)-Drossel

Das Wort zum Sonntag

Liebe NikaKult-Leser,

sicher ist der eine oder andere Autofahrer unter Ihnen in den letzten Tagen zur Tankstelle gefahren und hat nach dem Tanken mit grimmigem Gesicht einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Portemonnaie-Inhalts dem Tankwart übergeben.

Ein Blick auf die Anzeigetafeln der Tankstellen und auf die Hasen im Shop zeigt uns, dass das Osterfest vor der Tür steht. Begründet wird der Preisanstieg damit, dass die „Driving Season“ auf der Nordhalbkugel unseres schönen Planeten begonnen hat und die Menschen, die auf ihm leben, jetzt bei warmen Frühlingswetter die wieder erwachende Natur erkunden möchten. Das führe zu einer erhöhten Nachfrage an Kraftstoffen und treibe den Preis in die Höhe, so die Argumentation der Erdölkonzerne.

Ob das so stimmt, sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall, so die Erfahrung, müssen sich die Autofahrer bis nach Pfingsten auf höhere Kraftstoffpreise einstellen.

Ein weiteres Reizthema ist die Einführung von Super-Benzin mit zehnprozentigem Ethanolanteil. Die Mineralölkonzerne unternehmen alles, um diesen Kraftstoff, kurz „E10“ genannt, einzuführen. Bedenken über die Motorenverträglichkeit werden zerstreut und die Vorteile für die Umwelt gepriesen. Politiker sehen keine Alternative zur Erreichung der Klimaschutzziele. Superbenzin mit nur fünfprozentigem Ethanolanteil wird künstlich verknappt, um die Autofahrer an die E10-Zapfsäulen zu zwingen.

Worum geht es aber wirklich? Nun die Sache ist doch ganz einfach. Erdöl wird immer knapper, und der Aufwand und damit der Preis für die Förderung dieses Rohstoffes steigen auch. Die Gewinnmargen der Konzerne sinken deshalb. Schön, dass es da den Alkohol gibt, der in immer gleichbleibender Qualität und zu stabilen Preisen dem Benzin beigemischt werden kann. Jetzt kann der Benzinpreis munter weiter steigen, während billiger Alkohol untergemischt wird. Wegen seines geringeren Energiegehalts verbrauchen die Motoren auch noch mehr von diesem Kraftstoff.

Die Erdölkonzerne haben deshalb große Summen in moderne „Schnapsbrennereien“ investiert, in denen Zuckerrohr, Weizen oder Mais in Ethanol verwandelt wird. Besonders in Brasilien sind diese Konzerne aktiv. Dieses Land hat ja noch bekanntermaßen einige Regenwaldflächen zur Verfügung, auf denen vielleicht Zuckerrohr angebaut werden könnte.

Man sollte sich aber einmal vor Augen halten, welche Folgen dieser Raubbau an der Natur hat und ob es richtig ist, die immer knapper werdenden Anbauflächen für die Erzeugung von Kraftstoffen zu nutzen. Welche Folgen das für die Preisentwicklung der ernährungswichtigen Getreidesorten haben könnte, kann niemand abschätzen.

Noch gibt es einen künstlich hochgehaltenen Preisunterschied zwischen E5 und E10. Je mehr Autofahrer aber E10 tanken werden, umso kleiner wird dieser Unterschied ausfallen. Die Erfahrungen haben es bei Benzin und Super gezeigt, und gegenwärtig erleben wir es bei Super und Super Plus.

In meinen Tank kommt jedenfalls kein Brotgetreide. Lieber beginne ich die „Driving Season“ mit dem Fahrrad.

Ihnen wünsche ich einen schönen Frühlingssonntag!

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