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Mrz08

Die Aufgetauten (4)

Das Labor

Die Arbeit im Lager war eintönig.  Ich sortierte der Größe nach Rohrbögen und Abzweigungen in ein Regal. Die Edelstahlröhren stapelte ich unter einem Vordach. Ich befreite Pumpen und Kompressoren von ihren Verpackungen und fegte anschließend den Hof. In der Pause aß ich meine mitgebrachten Brote in einem kleinen Aufenthaltsraum, der durch einen kleinen Elektroheizkörper ein wenig erwärmt wurde. Im Bürotrakt stand ein Kaffeeautomat, der mir meinen Frühstückskaffee lauwarm auströpfelte.

Mein Kollege, der das Lager beaufsichtigte, versuchte in der Mittagspause ein Kreuzworträtsel zu lösen. Er hatte schon einiges eingetragen und fragte mich nach dem Namen für den Erdkörper. Ich nannte ihm sofort „Geoid“. Er schaute mich prüfend an. Ich sagte ihm, dass ich das zufällig in einer Zeitung gelesen hätte. Etwas später fragte er noch einmal: Deutscher Astronom, sieben Buchstaben, der letzte ein R. Ich nannte ihm den Namen nicht.

Nach etwa einer Woche kam der Meister ins Lager und sagte mir, dass ich am nächsten Tag mit einem Kollegen in den Außendienst gehen würde. Ich solle mich morgen früh in seinem Büro melden. Nur mit Mühe gelang es mir, meine Freude zu verbergen.

Am nächsten Morgen meldete ich mich beim Meister. Mein neuer Arbeitskollege gab mir zur Begrüßung freundlich die Hand. Ich setzte mich auf den Beifahrersitz des Transporters mit der Aufschrift „Frigos“, und wir fuhren los.

Als Erstes reparierten wir die Kühlanlage einer Eisdiele. Keine Große Sache, ein Temperaturfühler war defekt und musste ausgetauscht werden. Ich holte das Werkzeug aus dem Wagen und half mit einer Rohrzange beim Lösen einer Verschraubung. Als alles wieder zur Zufriedenheit lief, erhielten wir von der attraktiven Verkäuferin ein Eis.

In den folgenden Tagen erledigten wir ähnliche Aufträge und führten einige Wartungsarbeiten an verschiedenen Kälteanlagen durch.

Nach einigen Tagen kamen mir Zweifel, und ich dachte ernsthaft darüber nach, ob ich mein Vorhaben, mehr über die Firma „Nitrobiotec“ zu erfahren, aufgeben sollte.  Ich fragte meinen Kollegen, ob es denn immer nur so kleine Aufträge zu erledigen gäbe. Er lachte und sagte, dass ich schon bald eine große Anlage sehen werde. Die Firma hätte sie zwar nicht gebaut, überprüfe sie aber regelmäßig.

Am übernächsten Tag war es dann so weit. Unser Transporter hielt vor der Schranke des Pförtnerhauses, das ich so lange beobachtet hatte. Mein Kollege stieg mit unseren beiden Ausweisen aus und unterhielt sich kurz mit dem Pförtner. Der schrieb unsere Namen und die Ausweisnummern in eine Liste und öffnete danach die Schranke.

Wir fuhren auf das Firmengelände. Mein Kollege kannte sich aus, und wir gingen durch das Hauptgebäude in einen Nebentrakt. Dort arbeiteten einige größere Kältemaschinen, die routinemäßig überprüft wurden. Wir stellten keine Unregelmäßigkeiten fest. Diese Arbeiten nahmen einige Zeit in Anspruch, so dass es Zeit für eine Mittagspause wurde. Wir gingen zurück ins Hauptgebäude und meldeten uns bei einer freundlichen Mitarbeiterin mittleren Alters, die mein Kollege schon kannte. Sie führte uns in einen Aufenthaltsraum und fragte mich, ob sie mir auch einen Kaffee bringen könne. Ich bejahte das. Sie setzte sich zu uns und plauderte eine Weile mit meinem Kollegen. Als sie von ihrem letzten Urlaub, den sie in Ägypten verbracht hatte, erzählte, mischte ich mich ein und sagte, dass ich auch längere Zeit in diesem Land gearbeitet hätte. Sie wandte sich interessiert an mich und stellte mir einige Fragen. Nach einiger Zeit schaute mein Kollege auf die Uhr und sagte, dass wir jetzt in den Hauptraum mit den Kühlbehältern gehen müssten. Die Mitarbeiterin wählte eine Telefonnummer und benachrichtigte den Wachschutz der Firma. Ich ergriff die Gelegenheit und fragte sie, ob sie mehr über das Land wissen möchte. Sie antwortete, dass sie das schon interessant finden würde. Ich fragte sie weiter, ob ich sie in ein Café einladen dürfe. Sie zögerte kurz, schrieb mir dann aber ihre Telefonnummer auf einen Zettel.

Ein Mann vom Wachschutz kam und begleitete uns durch das Hauptgebäude vorbei an einigen Räumen, die einen leichten Geruch verströmten, der mich an ärztliche Behandlungszimmer erinnerte. Die Tür zu einem Raum stand offen, so dass ich eine Apparatur zu erkennen glaubte, die ein EEG hätte sein können. Mein Kollege schlug mir auf dem Weg anerkennend auf die Schulter und sagte so etwas wie: „Du hast es ja noch ganz gut drauf“.

Der Wachschutzmitarbeiter öffnete eine Tür, und erstaunt sah ich einen großen, hallenartigen Raum in dem dutzende runde Edelstahlbehälter aufrecht standen. Ihre Höhe betrug etwa zwei Meter. Der Durchmesser war halb so groß. Ich beobachtete, dass der Wachschutzmitarbeiter eine Alarmanlage deaktivierte.

Mein Kollege wies mich an, die Dichtheit der zahlreichen Leitungen für das Kältemittel zu überprüfen und besonders auf die Verschraubungen zu achten. Er stieg auf eine Aluminiumleiter, um einige Ventile die sich unter der Decke befanden, zu begutachten. Wir fanden aber nichts Auffälliges. Nach dieser Routinekontrolle verließen wir die Halle und gingen zurück zum Auto.

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