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Mrz29

Planet der Affen (3)

Ihr seid jetzt sicherlich ungeduldig und wollt gerne wissen, wie die Geschichte mit dem Goribo weitergeht. Doch lasst mich zunächst berichten, was damals in Indonesien geschah, denn ohne dieses einschneidende Erlebnis wäre ich auf Monotis sicherlich aufgeschmissen gewesen.

Durch einen dummen Zufall war ich beim Stamm der Apaitu in Ungnade gefallen. Und das kam so:

Ich war im Jahr 1397 angekommen und zufälligerweise in einer Plantage mit Kürbissen gelandet. Ich stieg aus, um mir ein bisschen die Beine zu vertreten. Plötzlich fing es an, wie aus Kübeln zu schütten – der Monsun! Schnell suchte ich mir den größten Kürbis aus, den ich finden konnte, höhlte ihn aus und schlüpfte hinein. Vom trommelnden Regen schlief ich sofort ein, die Reise war doch recht anstrengend gewesen.

Ich träumte gerade von der Zeit, als ich noch Käptn eines großen Piratenschiffs war – wir waren in einen tosenden Sturm geraten, riesige Brecher krachten auf’s Deck, und unser Schiff ächzte und stöhnte unter der gewaltigen Kraft des Ozeans, der es auf den mächtigen Wellen wie ein Blatt im Winde umhertanzen ließ – als ich aufwachte und bemerkte, dass der Kürbis tatsächlich unangenehm schaukelte. Ich hörte viele Stimmen und seltsame Gesänge. Neugierig blinzelte ich aus meinem Unterschlupf und stellte fest, dass eine Gruppe Eingeborener den Kürbis auf zwei Stangen sänftengleich durch den Dschungel trug.

Als ich aus dem Kürbis kroch, fand ich mich auf einem Dorfplatz wieder, inmitten von exotischen Blüten, Räucherwerk, Gebäck und anderen Opfergaben. Viele bunt geschminkte Gesichter starrten mich mit großen Augen an. Ein Aufschrei ging durch die Menge: „Apa itu?!“ (das bedeutet soviel wie WTF?). Dann verstummten die Stimmen, und eine unangenehme Stille trat ein.

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Es war der Geburtstag des Häuptlings, und man hatte ihm zu Ehren ein großes Fest ausgerichtet. Anlässlich dieses großen Festes hatte man den größten und schwersten Kürbis von der Plantage geholt, den man finden konnte, um ihn gemeinsam mit allen Dorfbewohnern zu verspeisen. Sie konnten ja nicht wissen, dass der Kürbis nur so schwer war, weil ich darin schlief.

häuptling

Da auch andere Stämme aus der Region zum Gratulieren gekommen waren, drohte nun der kollektive Gesichtsverlust – das Schlimmste, was einem Asiaten passieren kann. Dementsprechend sauer waren die Apaitu auf mich.
Die Vorschläge, wie mit mir zu verfahren sei, reichten von „an die Komorane verfüttern“ über „selber essen“ und „Steinigung“ bis hinzu „zu Tode kitzeln“. Ich fand keinen dieser Vorschläge sonderlich prickelnd.

baliem festival

Papua

huli-wigman

Als es wieder etwas ruhiger wurde, wagte ich es, auch mal einen Vorschlag zu machen. Ich versprach, die Partyorganisation zu übernehmen und soviel Piña Colada zu mixen, bis keiner mehr stehen könne. Die Stammesältesten berieten sich…

Man beschloss, mich auf die Probe zu stellen und mich nur im Falle meines sehr wahrscheinlichen Scheiterns an die Komorane zu verfüttern. Sie stellten mir ein Ultimatum: Noch bevor der Schatten der Sonnenuhr auf den dreiköpfigen Vogel fiele, solle ich die größte Feier auf die Beine stellen, die das Dorf je gesehen habe.

dani krieger

Ich befand mich mitten im Dschungel, dort sollte es kein Problem sein, die Kokosnüsse aufzutreiben, allerdings brauchte sie sofort, und zwar eine Unmenge davon. Soweit – so gut. Doch hingen die Nüsse hoch oben in den Palmen… In Indonesien werden seit jeher Affen für das Pflücken von Kokosnüssen dressiert. Ein Affe musste also her. Noch besser: viele Affen.

Ich grübelte noch eine Weile vor mich hin, als mein Blick auf die Koteka fiel; aus Flaschenkürbissen gefertigte Köcher, mit denen die Männer ihr bestes Stück schützen. Da kam mir die rettende Idee! Sofort machte ich mich in Begleitung meiner bunt bemalten, grimmig dreinblickenden Bewacher auf den Weg zur Kürbisplantage…

Krieger mit Koteka

Die Geschichtsschreiber berichteten später über meine geniale Erfindung:

„Vor vielen Jahrhunderten dachte sich irgendein Schlaufuchs in Südostasien eine Falle aus, um Affen möglichst effizient mit Hilfe ihrer eigenen Denkmuster fangen zu können. Die Falle besteht aus einem Flaschenkürbis, in den an einem Ende ein Loch gemacht wird, das gerade groß genug ist, dass eine Affenhand hindurchpasst. Am anderen Ende wird ein starkes Seil befestigt, das mit einem Holzpflock im Boden verankert ist. Im Innern des Flaschenkürbis wird irgendein von den örtlichen Affen geschätzter Leckerbissen versteckt, der so groß ist, dass er nicht aus dem Behältnis geschüttelt werden kann. Man stellt die Falle an einem häufig von Affen besuchten Ort auf und wartet.

Früher oder später kommt ein Affe vorbei, der die Nahrung riecht und eine Hand in den Flaschenkürbis steckt, um sie sich zu holen. Das Loch ist allerdings zu schmal, als dass der Affe die Hand mit dem Leckerbissen darin herausziehen könnte, und weil der Kürbis mit Seil und Pflock festgemacht wurde, kann der Affe ihn auch nicht wegschaffen, also versucht er immer wieder, das Objekt seiner Begierde mit der Hand herauszubekommen. Jetzt kann der Jäger aus seinem Versteck kommen und sich dem Affen mit einem Netz (falls es einen Markt für lebende Affen gibt) oder stärkeren Waffen (falls nicht) in der Hand nähern. In der weitaus größten Zahl von Fällen wird der Affe nicht etwa den Leckerbissen loslassen und sich auf dem nächsten Baum in Sicherheit bringen, sondern sich verzweifelt abmühen, die Speise aus dem Flaschenkürbis zu zerren, bis sich das Netz über ihn senkt oder der Knüppel zuschlägt.“
(Auszug aus „Dr. Faustus und die Affenfalle“)

Die Party wurde übrigens ein voller Erfolg. Selbst die Affen hatten ihren Spaß.

dani tribe

Schweineopfer

koroba

PNG-SINGSING-TRIBES

Die Apaitu bauten mir anschließend aus Dankbarkeit eine eigene Hütte in ihrem Dorf und feiern jetzt jedes Jahr das große Fest der Kürbisnuss. Sie essen dann gerösteten Kürbis und trinken dazu raue Mengen Piña Colada  – die Apaitu nennen das Getränk „Nikalada“. Wenn sie alle schön angetütert sind, tanzen die Apaitu im Kreis und singen ein Lied darüber, wie sie mich schlafend im Kürbis fanden. Ich bin jedes Mal wieder ganz gerührt…

baliem festival

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Huli dance - Copyright Timothy Allen

Manche Stammesmitglieder haben sogar kleine Schreine in ihren Behausungen, die meisten davon ziert eine Abbildung von mir, wie ich unter Palmen auf einem großen Kürbis sitze und mit acht Armen Cocktails mixe, der Boden übersäht mit Kokosnüssen, eine lustige Affenbande leistet mir Gesellschaft. Mir wurde sogar berichtet, dass die Apaitu mir zu Ehren jeden Tag eine kleine Kalebasse voll (etwa soviel wie ein Schnapsglas) Nikalada trinken und dazu eine Dankesrede murmeln, weil ihnen die Party so gut gefallen hat. Nice! Das erinnert mich an meine Zeit in Griechenland, doch ich schweife schon wieder ab…

Im nächsten Teil erzähle ich Euch, wie meine Undercover-Mission auf dem Planeten der Affen endete.

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