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Apr24

Die Brennnessel

Das Wort zum Oster-Sonntag von Prof. Dr. Rabenberg

Wie heißt es doch so schön bei Goethe im „Faust“?

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück“

Jetzt sprießt es wieder, das Grün in Wald und Flur. Grund genug sich einmal umzusehen, was da für uns Essbares heranwächst. In einem Buch über essbare Wildpflanzen las ich, dass die ungeliebte Brennnessel einen hohen Eisen- und Vitamingehalt besitzt und getrocknet die Grundlage für einen entwässernden Tee ergibt. Auch unsere Vorfahren hatten in Notzeiten diese Pflanze in der Küche verwendet.

Grund genug für mich, einmal eine Brennnesselsuppe zu kochen. Ich war erstaunt, wie gut sie mir schmeckte. Diese Frühlingssuppe koche ich ab jetzt jedes Jahr!

Vielleicht haben Sie auch Lust, ihre Gäste mit einem Brennnesselgericht zu überraschen.

Hier das Rezept für eine vegetarische Suppe:

Pflücken Sie die Blätter von der Pflanzenspitze mit einem Gummihandschuh. Auch beim Waschen der Blätter sollte man besser diese Handschuhe tragen.

Brennnesseln

In einem Topf wird eine kleingeschnittene Zwiebel zusammen mit Olivenöl und einem Gemüsebrühwürfel glasig angedünstet.

Mit Weißwein wird abgelöscht. Danach kommen Kartoffeln und die Brennnesselblätter dazu. Mit etwas Wasser wird das Ganze aufgefüllt und so lange gekocht, bis die Kartoffeln gar sind. Mit einem Rührstab wird alles zerkleinert. Das muss aber nicht sein.

Eine kleingehackte Knoblauchzehe kann dazugegeben werden. Die Suppe wird gepfeffert und vielleicht noch etwas gesalzen und zum Schluss mit geriebener Muskatnuss abgeschmeckt.

Sie brauchen keine Angst davor zu haben, sich die Zunge zu verbrennen. Es sei denn, die Suppe wird zu heiß gegessen. Die Brennhaare verlieren beim Kochen ihre Wirkung.

Brennnesselsüppchen

Wie ich meine, liest sich der „Faust“ auch rund 200 Jahre nach seiner Veröffentlichung noch ziemlich spannend. Vielleicht finden Sie ja in diesen Tagen etwas Muße „Der Tragödie erster Teil“ noch einmal zu lesen.

Ihnen einen guten Appetit und einen schönen Oster-Sonntag!

Vor dem Tor
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

(Johann Wolfgang von Goethe, Faust I)

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