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Mrz25

Die Aufgetauten – Epilog

Zum Schluss möchte ich noch auf die Frage zurückkommen, woran man Aufgetaute erkennen kann.

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Am besten ist es, dafür einen Vergleich heranzuziehen. Wie alle Vergleiche hinkt er natürlich, aber vielleicht hilft er doch, die Sache etwas mehr zu veranschaulichen.

Möglicherweise hat einer der Leser schon einmal eine Zeit lang in einem Land gelebt, in dem eine Diktatur herrscht. Solche Diktaturen sind immer darauf angewiesen, oppositionelle Äußerungen frühzeitig zu erkennen und im Keim zu ersticken. Dies ist unbedingt notwendig, um die Macht aufrecht erhalten zu können. Dazu unterhält jede Diktatur ein umfangreiches Spitzelsystem. Diese Geheimdienstmitarbeiter und Informanten mischen sich bei jeder Gelegenheit unter das Volk, um Unmutsäußerungen aufzuschnappen.

Mit etwas Übung erkennt man diese Spitzel leicht. Sie sind nicht besonders auffällig gekleidet, aber diese besonders auffällige Unauffälligkeit hebt sie aus der Masse heraus. Besonders leicht erkennt man sie dann, wenn man selbst einmal ins Visier des Geheimdienstes geraten ist und zu einem einschüchternden Gespräch vorgeladen wurde. Diese Erfahrung machen oft Journalisten, die in den einschlägigen Ländern arbeiten.

Und so kann man es auch mit den Aufgetauten sehen. Mit etwas Übung erkennt man sie sofort. Es sind manchmal nur kleine Besonderheiten der Kleidung, der Frisur, des Musikgeschmacks oder der Vorlieben, die sie für den Eingeweihten erkenntlich machen. 

Die Aufgetauten begegnen Euch überall. Wenn ihr sie sehen wollt, werdet Ihr sie auch erkennen. Vielleicht trefft Ihr auf einen, wenn Ihr durch die Straßen geht, in einem Café sitzt oder ins Kino geht. Jetzt im Frühling treten sie auch oft paarweise auf. Da die Probanden jahrelang in benachbarten Edelstahlbehältern aufbewahrt wurden, beschäftigten sich die Wissenschaftler in ihrem unsäglichen und fehlgeleiteten Forscherdrang unter anderem mit der Frage, ob es Menschen möglich sei, sich in tiefgefrorenem Zustand verlieben zu können.

Mir begegnen die Aufgetauten ständig, und ich hätte nicht gedacht, dass es so viele sind. Aber ich erkenne sie ja aus verständlichen Gründen auch sehr leicht. Es gibt kein Erkennungszeichen. Sie haben nur sehr lange in von der Zukunft geträumt und leben jetzt in ihr. Sie tragen die Erinnerung an das Vergangene in sich, ganz natürlich und ohne sich darum bemühen zu müssen.

Hier noch ein Video für Abraham und alle ausdauernden Leser meiner Enthüllungen, mit der abschließenden Frage:

„Ist der Sänger dieser Band ein Aufgetauter?“

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